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Hermann Belzner


Baumeister des modernen Mutterstadt

Jede Zeit, jede Gemeinde, braucht in bestimmten Perioden Personen an ihrer Spitze, die zukunftsweisende Entscheidungen einleiten, neue Impulse geben oder eine Art Aufbruchstimmung verbreiten.

Hermann Belzner, hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde von 1960 bis 1973, war eine solche Person.

Der SPD-Politiker, 1919 in Bad Mergentheim geboren, wurde 1960 als 41jähriger rheinland-pfälzischer Regierungsrat zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt; 1969 verlängerte der Gemeinderat seine Amtszeit. Ende Juni 1973 gab Belzner seine erfolgreiche Tätigkeit in Mutterstadt auf und übernahm die Geschäftsführung des Städtetages Rheinland-Pfalz. Seinem „lieben Mutterstadt“ blieb er aber freundschaftlich verbunden. Bei vielen offiziellen und privaten Anlässen war er bis zu seinem Tode im Juli 1991 ein gern gesehener Gast und Gesprächspartner in Mutterstadt.Hermann Belzner hat durch seinen unermüdlichen Einsatz während seiner Amtszeit die Entwicklung und den Ruf der Gemeinde Mutterstadt mit hohem Sachverstand, Tatkraft, Tüchtigkeit, Weitblick, Veantwortungsbewußtsein, aber auch mit Menschlichkeit und mit seiner herkunftsgeprägten schwäbischen Sparsamkeit und Überredungskunst entscheidend geformt. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit wurde er deshalb bald auch in viele kommunal- und landespolitischen Gremien, Organisationen und Verbände gewählt bzw. berufen und hat auch dort stets nachhaltig die Interessen Mutterstadts vertreten.

Als Verwaltungschef hatte er entscheidenden Anteil daran, daß Mutterstadt Anfang der 60er Jahre den Anschluß an die rasante Entwicklung im Rhein-Neckar-Raum fand. Der noch vorhandene Nachholbedarf wurde abgedeckt, die Infrastruktur des Ortes auf einen modernen Stand gebracht und die schlechte Finanz- und Verwaltungskraft Mutterstadts zufriedenstellend gelöst.

Hermann Belzner führte Mutterstadt in diesen Jahren, entsprechend seiner Wortschöpfung von der „modernen großstadtnahen Wohnsiedlungsgemeinde mit eigenständiger Gewerbekraft und traditionell stark geprägter landwirtchaftlicher Struktur“ in eine Zeit des Aufbruchs. Seine 1965 zu Papier gebrachten Gedanken „Mutterstadts Gemeindestruktur in Planung und Wandel“, bei denen der Verfasser als junger Mitarbeiter zuarbeiten durfte, belegen eindeutig, daß der damalige SPD-Bürgermeister die Entwicklung unserer Gemeinde nachhaltig bis in die heutige Zeit beeinflußt hat. Auch die in den letzten Jahren in Mutterstadt geschaffenen Einrichtungen der Daseinsvorsorge wurden seinerzeit schon „angedacht“ und Belzner machte sich Gedanken, wie dies in langfristigen Konzeptionen umgesetzt werden könnte, damit Mutterstadt nicht in eine Funktion als bloßes Großstadt-Anhängsel gedrängt werde. In seiner Amtszeit wurde das Gewerbegebiet An der Fohlenweide erschloßen mit dem zentralen Umspannwerk der Pfalzwerke, die Neubaugebiete Maudacher Eck, Waldstraße, Blockfeld, Südost und Steinerne Brücke ausgewiesen, der Neue Friedhof angelegt mit Friedhofshalle und Ehrenmal, im Schulzentrum Blockfeld neben der Hauptschule eine weiterführende Realschule errichtet. Mit der Kanalisierung und dem Ausbau der Ortsstraßen gehörten die in Mutterstadt bis dahin üblichen Straßenüberschwemmungen auf. Mit der Stadt Ludwigshafen wurde der Vertrag über den Anschluß an das Abwassernetz abgeschlossen und das Rückhaltebecken an der Ludwigshafener Straße gebaut. Mit dem Neubau der Walderholungsstätte wurde der „Urlaub ohne Koffer“ für Kinder und Senioren aus Mutterstadt und den umliegenden Gemeinden ermöglicht, im Johann-Wilhelm-Emmerich-Haus fanden die Feuerwehr und die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes eine neue Unterkunft.

Die damals bundesweit beachtete beispielhafte Flurzusammenlegung mit der gleichzeitigen Gruppenaussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe ist ebenso erwähnenswert wie der Anschluß Mutterstadts an die neue Autobahn im Westen der Gemarkung. Mutterstadt war auch federführend bei der Einführung des Bahnbus-Taktverkehrs von Ludwigshafen nach Neustadt. Eine interkommunale Zusammenarbeit mit Limburgerhof machte es möglich, daß in dem heutigen Sport- und Erholungszentrum das Hallenbad gebaut wurde.

Auf Initiative Belzners erschienen wöchentlich die Mutterstadter Nachrichten „Das Echo“, die Arbeitsgemeinschaft „Vorständekonferenz“ wurde ins Lebens gerufen, im kulturellen Bereich Theateraufführungen angeboten, das Volksbildungswerk wieder aktiviert, die Unterstützung des Sports durch die Gemeinde, insbesondere der Gewichtheber, ausgebaut. Ein besonderes Erlebnis war 1967 die 1200-Jahrfeier Mutterstadts und damit verbunden die Herausgabe der umfangreichen Ortschronik.Man kann ohne weiteres sagen, daß die in den letzten 30 Jahren in Mutterstadt getroffenen Entscheidungen und errichteten Baumaßnahmen im wesentlichen auf Vorgaben gründen, die von Hermann Belzner erarbeitet oder angeregt wurden. So wurde seinerzeit auch bereits über eine notwendige Festhalle für größere Veranstaltungen der örtlichen Vereine diskutiert. Diese Auflistung zeigt nochmals schlagwortartig die intensive Ideengebung dieses Mannes, der, stets freundlich, hilfsbereit und verbindlich, Verwaltungs-mitarbeiter, Rats- und Ausschußmitglieder, Vereinsvorstände und Interessenvertreter für seine Ziele und damit für die Ziele der Gemeinde überzeugen und motivieren konnte; der sich sowohl privat bei seinem geliebten Skatspiel in der Hundehütte als auch als Repräsentant der Gemeinde bei offiziellen Anläßen in Mutterstadt wohlfühlte.

Mit der erfolgreichen Arbeit Belzners in der Gemeinde Mutterstadt wurde gleichzeitig auch ein Stück örtliche SPD-Parteigeschichte geschrieben. Die Mutterstadter SPD hatte mit Belzner als „Zugpferd“ große Wahlerfolgemit absoluten Mehrheiten im Gemeinderat und konnte mit ihm auch Mitglieder und Wähler aus bisher der SPD eher reserviert gegenüberstehenden Bevölkerungskreisen gewinnen.

Der Ortsverein unterstützte, wählte und delegierte seinen Bürgermeister, aufgrund seiner vielfältigen Fähigkeiten, deshalb auch bald in viele überörtliche Positionen. Er war SPD-Landtagsabgeordneter, ehrenamtlicher Vertreter des Landrates als Erster Kreisdeputierter und Mitglied des Kreistages Ludwigshafen, Vorsitzender des Bezirksverbandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt, Landesvorsitzender der Wasser- und Bodenverbände in Rheinland-Pfalz, Vorsitzender des Zweckverbandes für Wasserversorgung, Pfälzische Mittelrheingruppe und Justitiar des DRK-Kreisverbandes Ludwigshafen-Land.

Hermann Belzner war, neben Jakob Weber, der Bürgermeister Mutterstadts, der in diesem Jahrhundert unserem Ort die nachhaltigsten Impulse für seine Entwicklung gab und Mutterstadt besonders auch in überörtlichen Gremien Gewicht und Stimme verlieh. Der Name Hermann Belzner nimmt in der Liste der Mutterstadter Bürgmeister und in der neueren Geschichte der Gemeinde einen bedeutenden Platz ein. Die Mutterstadter SPD kann stolz sein, so einen erfolgreichen Bürgermeister vorgeschlagen, gewählt und in seiner Arbeit unterstützt zu haben. Eine angemessene, auch nach außen hin sichtbare und bleibende Würdigung seiner Arbeit erscheint deshalb mehr als angebracht.