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| Kurt Schumacher |
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Wollen wir das Engagement der Frauen und Männer würdigen, die damals an den Wiederaufbau einer demokratischen Partei gingen, müssen wir uns der Zeiten und Umstände vor 50 Jahren erinnern. Zwölf Jahre Diktatur, der Gleichschaltung, der Verfolgung, des Leids, waren vorbei. Das Hitlerreich war zerschlagen, der verbrecherische, schreckliche Krieg zu Ende. Der Faschismus war in einen grausigen Abgrund gestürzt und hatte das Deutsche Volk in tiefster seelischer und wirtschaftlicher Not zurückgelassen.
Aber bereits im Juni 1945 gab es einen Aufruf der Deutschen Sozialdemokratie mit der Mahnung an die "Deutsche Arbeiterklasse", Träger des neuen Staatsgedankens zu sein und eine Demokratie aufzubauen. Die SPD fühlte sich besonders aufgerufen, an führender Stelle für diese Ziele einzutreten. Dieser Anspruch kam aus der Erkenntnis, daß durch staatliche Zwangsmaßnahmen die Sozialdemokraten wohl zurückgedrängt werden konnten, wie in der Zeit der Sozialistengesetze, daß sie vorübergehend ausgeschaltet wurden, während der Nazizeit, daß aber immer Widerstand im Land und vom Exil aus geleistet wurde.
In dieser Tradition fand am 5./6. Oktober 1946 in Wennigsen bei Hannover unter der Führung von Kurt Schumacher die Wiedergründung der SPD statt mit dem Ziel, die Demokratie als die beste Form des politischen Handelns aufzubauen. Die SPD war stolz, auch unter größten Opfern für die Idee der Freiheit und des Friedens eingetreten zu sein. Alle erinnerten sich dabei an die berühmte Rede des SPD-Vorsitzenden Otto Wels 1933 im Reichstag. "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre aber nicht" rief er denjenigen zu, die danach bis 1945 genau diese menschenverachtende Politik betreiben sollten. Die SPD hatte sich damals in dieser denkwürdigen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit, Freiheit und des Sozialismus bekannt und betrachtete nun, nach Kriegsende, dieses Bekenntnis als Auftrag, sich besonders für den Wiederaufbau einzusetzen.
Die SPD wollte sich aber 1945 nicht mit der historischen Legitimation alleine begnügen, sondern den Anspruch als führende Kraft durch positive Leistungen rechtfertigen. Die SPD war sich auch in Mutterstadt der Größe der Aufgabe bewußt: In der "Stunde Null" zum einen die menschlichen und materiellen Schäden des Krieges zu überwinden, zum anderen gleichzeitig einen demokratischen Staatsaufbau zu realisieren.
Der Partei treu gebliebene Mitglieder, heimgekehrte Emigranten, Gewerkschafter, taten sich zusammen, besprachen die Lage. Die Pfälzer Sozialdemokraten kamen im Oktober 1945 in Elmstein zusammen, um die Gründung von Ortsvereinen vorzubereiten; alle Beteiligten mit alter Hingabe und neuem Mut. Auch in Mutterstadt fanden sich ihrer Gesinnung treu gebliebene Genossen zu Gesprächen zusammen, erörterten die anstehenden Aufgaben, waren bereit, Veantwortung zu übernehmen, um Not und Elend zu beseitigen und einen demokratischen Wiederaufbau einzuleiten. Im Februar 1946 genehmigte dann die französische Militärregierung die Zulassung der SPD als Partei in der Pfalz.
Aus den Schilderungen von Zeitzeugen wissen wir um die bewegenden Momente, als man sich nach langen Jahren der Furcht wieder treffen, diskutieren, seine Meinung offen sagen konnte.
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